Rückblick auf fünf Monate Bürgerdialog in Überlingen

von Thorsten Hüglin

Vom 15.08.2020-05.12.2020 waren wir einmal im Monat mit unserem Stand in der Überlinger Innenstadt präsent. Eigentlich wussten wir gar nicht so recht, was da auf uns zukommen wird, also beschlossen wir einfach mal anzufangen. Und das bei schönstem Sommerwetter. Wir waren alle gut gelaunt, aber zugegeben, doch auch unsicher. Schließlich wollten wir niemanden von irgendetwas überzeugen oder respektlos mit der Tür ins Haus fallen.

Es hat sich schnell gezeigt, dass unter den Menschen ein großer Redebedarf besteht, bis heute!

Während die Temperaturen mit jedem Monat kälter wurden und die Maßnahmen durch unsere Politiker zunehmend verschärft werden, wird der Unmut in der Gesellschaft immer größer. Immer mehr Menschen, glauben nicht (mehr), dass die Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid19 sinnvoll und auf Dauer tragbar sind. Viele Betriebe und Unternehmen mussten wegen finanziellem Schaden bereits schließen, viele Betriebsschließungen werden durch den zweiten Lockdown folgen, viele Existenzen sind stark gefährdet.

Da ist zum einen die Angst vor der Erkrankung selbst, vor der Behandlung, vor den Folgeschäden, die Angst davor an der Krankheit zu sterben. Dann gibt es die Angst vor dem wirtschaftlichen Ruin, die Sorge den Arbeitsplatz zu verlieren und die dadurch zu Stande kommenden finanziellen Einbußen bis hin zu Insolvenzen. Der hohe Schuldenberg, den viele künftige Generationen zu tragen haben.

 

Es gibt immer zwei Seiten der Medaille

Inzwischen müssen wir leider von zwei Lagern sprechen, bleiben wir realistisch, die Spaltung in der Bevölkerung ist da, da führt auch in nächster Zeit kein Weg dran vorbei.

Da gibt es die eine Seite,  die nach wie vor dazu bereit ist (drastische) Einschränkungen in Kauf zu nehmen und daran glaubt, dass es im nächsten Jahr wieder aufwärts geht. Viele haben die Hoffnung oder sind davon überzeugt, dass die Impfung die Rettung bedeutet. Hier möchte erwähnt werden, dass vordergründig die sogenannten Mainstream-Medien zur Information heran gezogen werden.

Dann gibt es da noch die andere Seite der Medaille. Hier dienen die sogenannten alternativen Medien  als Informationsquellen, zum kritischen Beleuchten und auswerten der getroffenen Maßnahmen. Auch hier ist klar erkennbar, dass die Sorge vor dem wirtschaftlichen Ruin groß ist.

Vielmehr aber steht im Vordergrund ein Unverständnis darüber, dass unser Grundgesetz  und die darin enthaltenen Grundrechte in großem Maße ausgehebelt werden und Menschenrechte auf brutalste Weise eingeschränkt werden.

 

Erfahrungen, Eindrücke und Meinungen aus der Bevölkerung und unserem Team

  • Viele fühlen sich sehr alleine gelassen, mit ihren Ängsten und Nöten. Zu Beginn der Krise, konnte man ja auch viel Hilfsbereitschaft unter den Menschen wahrnehmen. Die „jungen“ gingen für die „alten“ einkaufen, vor den Pflegeeinrichtungen wurde für die Heimbewohner gesungen oder die Instrumente wurden ausgepackt. Inzwischen ist die Maske das Zeichen für Solidarität, leider.

  • Angst ist kein guter Ratgeber.

  • Mit Menschen ins Gespräch zu kommen ist aus meiner Sicht wichtig zur Überwindung der Spaltung zwischen den Menschen, welche Informationen der Mainstream-Medien übernehmen und uns, die wir alternative Medien zur kritischen Auseinandersetzung mit den von den Politikern getroffenen Maßnahmen auswerten und aktiv gegen die massiven Einschränkungen der Grundrechte geworden sind.

  • Mir machte es von Anfang an Spaß, auf Menschen zu zugehen und mit Ihnen über ihre Sorgen und Nöte in der Covid19 Krise zu reden. Aufgrund meiner langjährigen therapeutischen Erfahrung fiel es mir leicht, die Menschen dort abzuholen, wo sie stehen und auf Überzeugungsarbeit zu verzichten. Nachdem sich Vertrauen entwickelt hatte, konnte ich vorsichtig eigene Erfahrungen, Wissen und Fragen ansprechen. Für mich waren die zum Teil sehr tiefgehende Gespräche eine Bereicherung und manchmal auch berührend.

  • Ich bin in der ehemaligen DDR aufgewachsen, eigentlich ist es wie früher, nur mit Maske.

  • Ein Mann aus Kroatien berichtet über überfüllte Krankenhäuser in Kroatien, über den Verlust eines Freundes durch Covid19 und bangt um einen Bekannten, der zu Zeit beatmet wird. Gleichzeitig ist er bestürzt darüber, dass sich alles nur noch um Corona dreht und Patienten mit anderen Erkrankungen dadurch das Nachsehen haben.

  • Als sehr positiv habe ich unser Konzept mit den Karteikärtchen am Bundesadler erlebt. Zwei meiner Gesprächspartner sagten zunächst, sie wüssten gar nicht, was sie da dran schreiben sollten, kamen aber dann durch weitere Gespräche zu einer Aussage, die wirklich zu traf, was sie ausdrücken wollten. Ich schrieb es für sie auf und hatte den Eindruck, dass dies für beide ein sehr kostbares Erlebnis war.

 

Abschließend noch ein paar Worte zu unserem Team

Mit Stolz und großer Freude, können wir sagen, dass sich unser Bürgerdialogteam sehr gut entwickelt hat. Wir haben gemeinsam viel erarbeitet. Mit Kreativität und Ideenreichtum gehen wir ans Werk und gestalten entsprechend unsere Aktionen. Wir sind zu einem freundschaftlichen Kreis zusammen gewachsen. Der Bürgerdialog lebt, und für uns alle steht fest, es geht auch 2021 weiter!! Der nächste Bürgerdialog ist für Januar 2021 in Planung. Wir freuen uns auf weitere Begegnungen und Gespräche mit Ihnen!!

Wir wünschen Ihnen allen ein besinnliches Weihnachtsfest. Machen wir uns bewusst, dass Friede, Liebe und Freiheit im eigenen Herzen stattfindet und für kein Geld der Welt zu kaufen ist.

In diesem Sinne herzliche Grüße von Ihrem

Bürgerdialogteam

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