Rückblick auf den Überlinger Bürgerdialog im ersten Halbjahr 2021

von Gregor Baiker

Vom 09.01.2020-05.06.2021 waren wir weiterhin einmal im Monat mit unserem Stand in der Überlinger Innenstadt präsent. Nach den positiven Erfahrungen im Vorjahr und dem damals bereits festgestellten großen Redebedarf vieler Menschen stellten wir auch in diesem halben Jahr fest, dass viele Menschen glücklich sind, sich vorurteilsfrei austauschen und Ihre Hoffnungen sowie Sorgen und Ängste benennen zu können. Jede Meinung wurde am Stand natürlich weiterhin offen angenommen und akzeptiert. Dabei ist es uns wichtig, dass alle Sichtweisen und Erfahrungen zugelassen werden und in den öffentlichen Diskurs eingehen können.

Zu Jahresanfang konnten wir aufgrund der Baustelle in der Hafenstraße nicht mehr an unserem gewohnten Platz stehen. Wir durften in dieser Zeit auf die Hofstatt ausweichen und waren so noch näher am Wochenmarkt. Zunehmend trat die anstehende Landtagswahl am 14.03.2021 in den Blick und auch in den Dialog mit den Menschen.

Dann der dritte Bürgerdialog 2021 am 06.03.2021: Am darauffolgenden Wochenende stand die Landtagswahl an!
Somit stand die Hofstatt den Info-Ständen der Parteien zur Verfügung, während wir dieses Mal am Pflummernplatz stationiert waren.

Wir hatten uns im Vorfeld ein paar Fragen überlegt, in der Absicht die Stimmung der Menschen besser erfassen zu können. Auf unsere Pinnwand hatten wir die Frage geheftet:
„Was wünschen Sie sich von der Politik?“

Der Eindruck, dass sich gegenüber dem Bürgerdialog inzwischen eine Vertrauenssituation gebildet hat, stärkte uns. Es stimmte uns zuversichtlich, auch weiterhin mit den Menschen ins Gespräch kommen zu können und zu erfahren, was sie beschäftigt - sehen wir doch einen gelungen Austausch als wichtiges Gegengewicht zu den Spaltungstendenzen in dieser Zeit.

Ja - und was beschäftigt die Bürger in und um unsere Stadt? Nun folgend möchten wir die Zitate aufzeigen, die sich auf den Karten unseres „Krisen- und Hoffnungs-Adlers“ (Pinnwand) sammelten und beispielhaft Themen unserer Gespräche wiedergeben (teilweise wurden nachfolgend lange Texte in Kernpunkten zusammengefasst, erkennbar an fehlenden Anführungszeichen).

  • „Mich bedrückt, dass Angst von mir erwartet wird… - Nur beim Impfen erwartet man von mir, dass ich keine Angst haben soll …“
  • „Ich sterbe lieber natürlich als an Impfung“ / „Ich vertraue auf mein Immunsystem“
  • „Rechte für ärztlich maskenbefreite Bürger durchsetzen, wie Betreten von Bibliothek und Geschäften“
  • „Ich wünsche mir wieder Vertrauen in die Regierung und keine leeren Versprechungen!“
  • „Machtbegrenzung“
  • Mehr Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Mitsprache für die Bürger! / „Ich will wieder mitbestimmen können und nicht von oben bestimmt werden“
  • „Ich möchte meine Grundrechte (Würde) zurückhaben und von den Medien umfassend informiert werden.“ / „Die Wahrheit möchte ich wissen. - Und Perspektiven“
  • „Das Grundgesetz: Präambel: Gott und dem Frieden der Welt zu dienen mit „Grünem“ Leben füllen, d.h. Recht und Gerechtigkeit zu 5 Mose 28/ modifiziert durch Mtth.5.17 weiterentwickeln!“
  • „Ich möchte dass das Bargeld nicht abgeschafft wird.“
  • „Kompetenz“ / „Wirkliche Demokratie“ / „Ablösung der Regierung“

Das Ergebnis der Landtagswahl beschäftigte uns dann natürlich auch am darauffolgenden Bürgerdialog-Termin am 10.04.2021, aber natürlich war der Fokus an diesem wie auch an dem folgenden Bürgerdialog am 08.05.2021 nach wie vor auf den Hoffnungen und Sorgen der Menschen.
An dieser Stelle vielen Dank an die Passantinnen und Passanten, die sich auf ein Gespräch mit uns eingelassen haben und bereit waren, ihre Gedanken und Sorgen mit uns zu teilen. Wir freuen uns stets, auf einen Austausch mit Ihnen!

Wieder einmal Bürger-Dialog in Überlingen, am Samstag den 05.06.2021 waren wir von 10 -14 Uhr am Pflummernplatz in Überlingen.  
In unserer Vorbereitung hatten wir das Thema "Corona-Schutz-Impfung für Kinder? Pro und Contra" ausgewählt. Ein Thema das in den Medien sehr aktuell ist, angesichts der Bestrebungen in der Politik die Bürger dieses Landes für eine generelle Impfung von Kindern zu gewinnen.

Wir wollten hören was denken die Menschen auf der Straße darüber?

Trotz etwas trüben Wetters entwickelten sich wieder viele offene Gespräche. Dieser Raum für Austausch, den wir bieten, wird gerne angenommen und wenn die ersten handschriftlichen Kommentare auf der Pinwand stehen, bleiben doch viele Menschen stehen und lesen. Dieses Interesse freut uns und oft entsteht dabei das Gespräch, das auch in kurzer Zeit sehr persönlich und vertraut werden kann.

Wir filtern nicht, alle Beiträge sind willkommen, sind realer Ausdruck der Gesellschaft in der wir uns bewegen.

Die Beiträge reichen von einem "eindrücklichen Pro" über "Skepsis ist geboten" bis zu „Wir lassen nicht an unseren Kindern experimentieren! Kinder sind keine Versuchskaninchen“.

Selbst wenn ein grundsätzliches Ja signalisiert wird, ist dies oft mit einer durchaus differenzierten Sicht verbunden. D.h. einerseits Ja zu einer Impfung zum Schutz von Kindern mit Vorerkrankungen, und andererseits Zurückhaltung wegen möglicher Langzeitfolgen der Impfstoffe. Lieber Abwarten bis mehr Wissen zur Verfügung steht. Ebenso gibt es die Ansicht erst die Menschen die wirklich betroffen und gefährdet sind mit Impfstoff versorgen.

Am anderen Ende dann ein klares Nein, im Sinne eines Risikos, das nicht kalkulierbar ist und dies bei Kindern als einer Bevölkerungsgruppe die am wenigsten vom Corona-Virus betroffen ist, die für die Zukunft unserer Gesellschaft unverzichtbar sind. Oder die Fragestellung: Wie soll ich meinen Kindern überhaupt die möglichen Nebenwirkungen der Impfung erklären?

In der Mitte sind Bürger und Bürgerinnen die es so ausdrücken: „Wir wissen es nicht.“ Wir wissen nicht ob eine Impfung von Kindern notwendig ist. Oder, ich habe keine Kinder und bin froh das ich mich mit der Thematik nicht auseinandersetzen muss.

Wir hören auch, "Schön das ihr da seid" oder die Nachfrage: "Zu welcher Gruppierung gehört ihr?" Man will uns ein- und zuordnen, will wissen weshalb wir das tun und welche Motivation wir dazu haben. Wir antworten gerne.

Von diesem Tag nehmen wir mit, unser Tun ist der Mühe wert.

Nebenbei, bemerkenswert ist das Phänomen, dass wenn das Wetter schlecht ist und wir den Pavillon aufgebaut haben, erstaunlich viele Menschen ganz natürlich auf ihrem gewohnten Weg zum Markt durch den Pavillon an uns vorbeiziehen. Prima! Keine falsche Scheu.

Es grüßt das Team vom Bürgerdialog Überlingen

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